35 Jahre Konterrevolution –
Symbolbild: KI generiert die Realität im Osten Fünfunddreißig Jahre nach der Annexion der DDR lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Realität
Symbolbild: KI generiert
die Realität im Osten
Fünfunddreißig Jahre nach der Annexion der DDR lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Realität im Osten. Die Versprechen von den „blühenden Landschaften“ sind längst entlarvt. Was geblieben ist, sind Armut, Rentenarmut, Arbeitslosigkeit und immer mehr Obdachlosigkeit. Ganze Dörfer sterben aus. Fabriken, die einst tausenden Menschen Arbeit gaben, existieren nicht mehr. Der Osten wurde nicht aufgebaut – er wurde abgewickelt.
Für Marxisten ist diese Entwicklung kein Rätsel. Mit der Konterrevolution von 1989/90 kehrte der Kapitalismus zurück, und damit auch seine Gesetze. Wer damals glaubte, westdeutsche Konzerne würden ihre ostdeutsche Konkurrenz fördern, hat entweder nichts von politischer Ökonomie verstanden – oder wollte es nicht verstehen. Kapital pflegt keine Konkurrenz, es beseitigt sie. Genau das ist passiert: Die Industrie der DDR wurde systematisch zerschlagen, Betriebe wurden verkauft oder geschlossen, ganze Branchen verschwanden.
Die Folgen sehen wir heute. Millionen Menschen verloren ihre Arbeit oder wurden in prekäre Jobs gedrängt. Der ehemalige Werkleiter eines großen Betriebes wurde zum Handelsvertreter, der Ingenieur zum Koch, der Wissenschaftler zum Unternehmensberater. Nicht Selbstverwirklichung, sondern Anpassung an den Arbeitsmarkt. Die Menschen haben ihre Arbeit nicht mehr – sie haben Jobs.
Gleichzeitig behaupten die Ideologen des Kapitalismus, der Sozialismus sei gescheitert, weil „der Mensch eben so ist“. Ein bequemes Argument. Der Marxismus sagt etwas anderes: Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein. Konkurrenz, Profitstreben und Egoismus sind keine Naturgesetze des Menschen, sondern Produkte kapitalistischer Verhältnisse.
Der Sozialismus zielte auf etwas völlig anderes: eine Gesellschaft, in der Menschen bewusst über ihre Produktion entscheiden und Arbeit nicht Zwang, sondern sinnvolle Tätigkeit ist. Eine anspruchsvolle Gesellschaft, in der Entwicklung und Veränderung zum Alltag gehören.
Der heutige Osten bestätigt letztlich eine alte marxistische Erkenntnis: Der Kapitalismus folgt nicht den Versprechen von Politikern oder Ökonomen, sondern den Gesetzen des Kapitals. Und diese Gesetze bedeuten im Imperialismus – wie Lenin analysierte – Konkurrenz, Krise und Krieg.
Wer verstehen will, warum der Osten heute so aussieht, muss also nicht lange suchen. Ein Blick in Marx’ „Kapital“ reicht.