Vom Abi an die Front –
Symbolbild: KI generiert Staatsfernsehen auf Rekrutierungstour Man muss sich das einmal klar machen: Da setzt sich ein junger Mensch nach dem Abitur
Symbolbild: KI generiert
Staatsfernsehen auf Rekrutierungstour
Man muss sich das einmal klar machen: Da setzt sich ein junger Mensch nach dem Abitur hin, überlegt, wie sein Leben weitergehen soll – und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen läuft eine Hochglanzgeschichte darüber, wie toll es ist, zur Bundeswehr zu gehen.
Zufall? Natürlich nicht.
Die ARD begleitet junge Leute „vom Abi zur Truppe“. Die Kamera zeigt lachende Rekruten, sportliche Übungen, Kameradschaft am Lagerfeuer und Offiziere, die väterlich erklären, wie sehr der Dienst „prägt“. Das Ganze wirkt wie eine Mischung aus Abenteuerurlaub, Selbstfindungstrip und Karriereberatung.
Was auffällt, ist nicht nur das, was gesagt wird – sondern vor allem das, was verschwiegen wird.
Kein ernsthaftes Wort über die Realität moderner Kriege. Kein Blick auf die geopolitischen Interessen hinter militärischen Einsätzen. Kein Hinweis darauf, dass Soldaten nicht für „Teamgeist“ ausgebildet werden, sondern fürs Töten und Sterben.
Stattdessen wird der Soldatenberuf in die gleiche Kategorie gesteckt wie ein Freiwilliges Soziales Jahr – nur mit Tarnanzug.
Das ist keine neutrale Berichterstattung. Das ist ideologische Vorbereitung.
Denn der deutsche Staat rüstet auf. Milliarden fließen in neue Waffen, neue Strukturen, neue militärische Strategien. Eine solche Politik braucht nicht nur Panzer und Raketen – sie braucht Menschen, die bereit sind, sie zu bedienen.
Und genau hier kommt die Medienmaschine ins Spiel.
Die Aufgabe besteht darin, Militarismus gesellschaftlich akzeptabel zu machen. Der Soldat soll nicht als Werkzeug staatlicher Gewalt erscheinen, sondern als sympathischer junger Mensch, der „etwas Sinnvolles tun will“. Krieg wird nicht gezeigt – nur die Vorbereitung darauf.
Das funktioniert besonders gut bei jungen Leuten, die gerade ihr Abi in der Tasche haben und nach Orientierung suchen. Wer ihnen erzählt, sie könnten bei der Bundeswehr „über sich hinauswachsen“, „Verantwortung übernehmen“ und „die Welt sehen“, verkauft ihnen im Grunde eine militärische Karriere als Lebenshilfeprogramm.
Ein ziemlich zynisches Geschäft.
Denn im Ernstfall bedeutet diese Karriere eben nicht Outdoor-Training und Kameradschaftsabende. Im Ernstfall bedeutet sie Drohnenkrieg, Auslandseinsätze, geopolitische Machtspiele und – ja – Tote.
Der Kapitalismus führt seine Kriege nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Geschichten. Geschichten über Mut, Abenteuer und Verantwortung. Geschichten, die verschleiern sollen, dass Armeen letztlich dazu da sind, politische und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen.
Wenn öffentlich-rechtliche Sender anfangen, solche Geschichten zu verbreiten, dann erfüllen sie eine klare Funktion: Sie helfen dabei, die nächste Generation für die militärischen Projekte des Staates vorzubereiten.
Oder anders gesagt:
Die Front beginnt nicht erst irgendwo im Ausland.
Sie beginnt im Kopf – und manchmal im Abendprogramm der ARD.