Rüstungsboom im Nordosten – oder:
Wenn Arbeitsplätze nach Pulver riechen Mecklenburg-Vorpommern soll endlich „aufholen“. So erzählen es Regierung und Konzerne. Neue Jobs, neue
Wenn Arbeitsplätze nach Pulver riechen
Mecklenburg-Vorpommern soll endlich „aufholen“. So erzählen es Regierung und Konzerne. Neue Jobs, neue Investitionen, neue Perspektiven. Klingt nach Aufbau, nach Zukunft. In Wirklichkeit erleben wir etwas anderes: den systematischen Ausbau einer Kriegsökonomie im kleinen Maßstab – eingebettet in die große Logik des Imperialismus. Und die ist nun mal nicht „neutral“. Sie kennt nur eins: Konkurrenz, Aufrüstung, Krieg.
Peenemünde: Geschichte wiederholt sich nicht – sie wird organisiert
Peenemünde. Ein Ort, der eigentlich Mahnung sein müsste. Hier wurde im deutschen Faschismus die V2-Rakete entwickelt – gebaut mit Zwangsarbeit, bezahlt mit dem Leben Tausender. Technischer Fortschritt? Ja. Aber Fortschritt für wen? Heute kehrt die militärische Forschung zurück. Das Unternehmen Polaris entwickelt ein Hyperschall-Forschungsflugzeug für die Bundeswehr. Erstflug 2027, Tests in abgeschiedenen Gebieten, abgeschirmt von Öffentlichkeit. Die Sprache ist modern, die Technik auch. Aber der Kern bleibt gleich: Forschung im Dienst militärischer Macht. Das ist keine zufällige Parallele. Das ist Kontinuität unter anderen Bedingungen.
Der neue alte Standort: Mecklenburg-Vorpommern als Rüstungszone
Es bleibt nicht bei Peenemünde. In Wolgast baut die Peene-Werft Kriegsschiffe. Eingegliedert in den Rheinmetall-Konzern – also direkt im Zentrum deutscher Rüstungsproduktion. Andere Betriebe ziehen nach oder werden eingebunden. Was entsteht, ist kein Flickenteppich einzelner Projekte, sondern ein System: •Forschung in Peenemünde •Produktion in den Werften •Integration in die militärische Strategie Das Ganze ist kein regionaler Zufall, sondern politisch gewollt. Mecklenburg-Vorpommern wird zur Peripherie des deutschen Imperialismus – ökonomisch schwach, aber militärisch nützlich.
Arbeitsplätze – und der Preis dafür
Jetzt kommt das Totschlagargument: Arbeitsplätze. Natürlich braucht die Region Arbeit. Wer das bestreitet, hat entweder keine Ahnung oder kein Interesse an den Lebensrealitäten vor Ort. Niedrige Löhne, Abwanderung, strukturelle Schwäche – das ist die Ausgangslage. Aber genau hier liegt der Trick des Systems. Der Kapitalismus bietet Arbeit – aber nur unter Bedingungen, die seinen Interessen dienen. Und im Imperialismus heißt das: Rüstungsproduktion wird zur „Lösung“ sozialer Probleme. Das ist kein Fortschritt, das ist Erpressung. Die Arbeiter sollen wählen zwischen Arbeitslosigkeit und Beteiligung an Kriegsproduktion. Zwischen Perspektivlosigkeit und einem Job, der letztlich auf Zerstörung basiert. Und dann wird ihnen eingeredet, das sei ein Gewinn.
Der grundlegende Widerspruch
Hier liegt der Kern des Problems – und der wird systematisch verschleiert: Die Arbeiterklasse produziert die Mittel, mit denen andere Arbeiter getötet werden. Das ist kein moralischer Vorwurf, sondern eine materielle Tatsache. Die Werftarbeiter, die Ingenieure, die Techniker – sie schaffen die Grundlage für militärische Gewalt. Und gleichzeitig sind sie selbst Teil einer Klasse, die international ausgebeutet wird. Das ist der Widerspruch des Imperialismus in Reinform.
Imperialismus: Kein Betriebsunfall, sondern System
Wer glaubt, das alles sei eine „Fehlentwicklung“, hat den Kapitalismus nicht verstanden. Der Imperialismus ist keine politische Entscheidung, die man einfach zurücknehmen kann. Er ist die höchste Phase des Kapitalismus – geprägt durch Monopole, Finanzkapital und den Kampf um Einflusszonen. Und dieser Kampf wird nicht mit freundlichen Gesprächen geführt. Er wird vorbereitet durch Aufrüstung. Deutschland rüstet nicht aus Laune heraus auf. Es rüstet auf, weil es muss – im Rahmen der Konkurrenz mit anderen imperialistischen Mächten. Hyperschalltechnologie, neue Waffensysteme, militärische Infrastruktur: Das sind keine Ausnahmen, das ist die Regel. Die Kosten? Trägt die arbeitende Bevölkerung. Durch Steuern, durch Inflation, durch Sozialabbau.
Ideologische Nebelkerzen
Die bürgerliche Ideologie versucht, diesen Zusammenhang zu verschleiern. So wie sie behauptet, der Lohn bezahle die gesamte Arbeit und verdeckt damit die Ausbeutung, trennt sie auch künstlich Imperialismus und Krieg. Als wären das zwei verschiedene Dinge. Aber das ist eine bewusste Täuschung. Imperialismus ohne Krieg ist eine Illusion. Wer das eine akzeptiert, akzeptiert zwangsläufig auch das andere. Das gilt heute genauso wie damals – seit Hiroshima und Nagasaki lebt die Menschheit unter der realen Möglichkeit ihrer eigenen Vernichtung.
Die Rolle der Ideologie – und der Verrat des Revisionismus
Ein Problem kommt hinzu: die ideologische Entwaffnung der Arbeiterklasse. Seit den revisionistischen Wendungen nach 1956 wurde versucht, den Imperialismus zu verharmlosen. Statt Klassenkampf gab es plötzlich „friedliche Koexistenz“ als Dauerzustand. Statt Analyse gab es Anpassung. Die Folgen sehen wir heute. Die Arbeiter sollen glauben, dass Rüstung „Sicherheit“ schafft. Dass NATO-Aufrüstung „Verteidigung“ sei. Dass Krieg irgendwo anders stattfindet und mit ihrem Leben nichts zu tun hat. Das ist die gleiche Logik, mit der früher jede imperialistische Aggression gerechtfertigt wurde.
Ein Blick zurück – und nach vorn
Wer verstehen will, wie systematisch der Kampf gegen den Sozialismus geführt wurde, sollte sich mit der Geschichte beschäftigen. Die permanente antikommunistische Propaganda, die Verzerrung der Sowjetunion, die Dämonisierung ihrer Führung – all das hatte einen Zweck: den einzigen ernsthaften Gegenpol zum Imperialismus zu delegitimieren.
Und genau deshalb ist auch die sogenannte „Stalinfrage“ keine akademische Debatte, sondern eine Front im Klassenkampf.
Denn wer die Geschichte entstellt, nimmt der Arbeiterklasse ihre Orientierung.
Kampf statt Illusion
Was folgt daraus? Sicher nicht, dass man auf „friedliche Lösungen“ hofft oder an Appelle an die Herrschenden glaubt. Der Imperialismus lässt sich nicht moralisch überzeugen. Er funktioniert nach ökonomischen Gesetzen. Die Arbeiterklasse muss das begreifen – und sich organisieren. Nicht für bessere Bedingungen innerhalb der Rüstungsproduktion, sondern gegen ihre Rolle in diesem System. Lenin hat es klar formuliert: Der imperialistische Krieg kann nur überwunden werden, wenn er in einen Kampf gegen die eigene herrschende Klasse überführt wird. Das ist keine Phrase. Das ist eine strategische Notwendigkeit.
Mecklenburg-Vorpommern als Brennglas
Die Entwicklung im Nordosten zeigt das alles wie unter einem Vergrößerungsglas. Eine Region, die Arbeit braucht, wird in die Kriegsproduktion eingebunden. Historisch belastete Orte werden wieder militarisiert. Die Bevölkerung wird ideologisch vorbereitet, diese Entwicklung zu akzeptieren. Und gleichzeitig wird jede grundsätzliche Kritik als „realitätsfern“ abgetan. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Realistisch ist nur, wer erkennt: Diese Entwicklung führt nicht zu Wohlstand, sondern zu weiterer Zuspitzung. Zu mehr Konkurrenz, mehr Aufrüstung, mehr Konflikten.
Sozialismus oder Barbarei
Am Ende läuft alles auf eine einfache Alternative hinaus: Entweder bleibt die Produktion an Profit und Konkurrenz gebunden – dann wird sie zwangsläufig immer wieder in Krieg münden. Oder sie wird gesellschaftlich organisiert, geplant und auf Bedürfnisse ausgerichtet. Nur im Sozialismus kann Arbeit vom Krieg getrennt werden. Alles andere ist Selbsttäuschung. Und die kostet am Ende mehr als nur Arbeitsplätze.
Rüstungsproduktion und militärische Forschung in Mecklenburg Vorpommern zeigen die enge Verbindung von Arbeit und Krieg im Imperialismus. Während Werktätige die materielle Grundlage schaffen, dient das Ergebnis nicht dem Frieden, sondern der Vorbereitung neuer Konflikte. | Photo: © DIE ROTE STIMME (KI generiert)