Wie hältst du’s mit der DDR?
Symbolbild: KI generiert Die Gretchenfrage der Klasse: Wie hältst du’s mit der DDR? Es gibt Fragen, die sind keine Meinungssache. Sie sind ein
Symbolbild: KI generiert
Die Gretchenfrage der Klasse: Wie hältst du’s mit der DDR?
Es gibt Fragen, die sind keine Meinungssache. Sie sind ein Prüfstein. Die DDR gehört genau in diese Kategorie. Wer hier rumeiert, laviert oder gleich ganz abwinkt, der sagt damit mehr über seinen Klassenstandpunkt als über die Geschichte. Denn machen wir uns nichts vor: Die Bewertung der DDR ist keine nostalgische Ost-West-Debatte. Sie ist eine knallharte ökonomische und politische Frage. Sie entscheidet darüber, ob man den Kapitalismus als Naturgesetz akzeptiert – oder ob man ihn tatsächlich überwinden will. Fangen wir bei den Grundlagen an. Die DDR war kein „Betriebsunfall der Geschichte“, kein missglücktes Experiment, wie es uns die bürgerliche Ideologie seit Jahrzehnten einhämmert. Sie war der historisch konkrete Versuch, auf deutschem Boden die Herrschaft des Kapitals zu brechen. Und das ist kein kleines Detail – das ist der Kern der Sache. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wurde das Privateigentum an den entscheidenden Produktionsmitteln in großem Maßstab aufgehoben. Fabriken, Banken, Großbetriebe – das alles wurde dem Zugriff der Kapitalisten entzogen. Statt Profitlogik trat Planwirtschaft. Statt Konkurrenz trat gesellschaftliche Koordination. Das ist keine Phrase aus dem Lehrbuch, sondern ein realer Bruch mit der kapitalistischen Produktionsweise, wie sie auch im Jugendlexikon Politische Ökonomie beschrieben wird: Sozialistische Ökonomie bedeutet eben nicht Marktspielchen mit menschlicher Verkleidung, sondern die bewusste Planung der Produktion im Interesse der Gesellschaft . Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die einen – nennen wir sie ruhig beim Namen: die Klassenbewussten – begreifen diesen Bruch als historische Errungenschaft. Nicht als perfekten Zustand, sondern als Anfang. Als Übergang. Als das, was Marx immer betont hat: eine reale Bewegung, die die bestehenden Verhältnisse aufhebt. Die anderen hingegen haben längst kapituliert. Sie reden sich die Welt schön, indem sie die DDR zur „Kette von Irrtümern“ erklären. Das ist bequem. Wer den Sozialismus als gescheitert abstempelt, muss sich nicht mehr mit der Frage herumschlagen, wie man den Kapitalismus tatsächlich überwindet. Aber schauen wir genauer hin – nicht moralisch, sondern materiell. Die ökonomische Entwicklung der DDR war alles andere als ein Witz. Trotz Kriegszerstörung, Reparationen und permanenter Systemkonkurrenz mit der BRD wurde eine industrielle Basis aufgebaut, die international mithalten konnte. Daten zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zeigen, dass die DDR über Jahrzehnte hinweg stabile Wachstumsraten und eine entwickelte industrielle Struktur aufwies . Das Entscheidende dabei: Dieses Wachstum diente nicht primär der Kapitalverwertung, sondern der gesellschaftlichen Reproduktion. Vollbeschäftigung war kein Wahlkampfslogan, sondern Realität. Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung – keine Ware, sondern Grundrechte. Natürlich lief nicht alles rund. Wer etwas anderes behauptet, betreibt Geschichtskitsch. Es gab Widersprüche, Fehlentwicklungen, bürokratische Verkrustungen. Aber die entscheidende Frage ist doch: Auf welcher Grundlage werden diese Probleme beurteilt? Vom Standpunkt des Kapitals aus ist jede Einschränkung der Profitlogik ein „Fehler“. Vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus ist die Abschaffung der Ausbeutung der entscheidende Fortschritt – auch wenn der Weg dorthin widersprüchlich ist. Und genau hier kommt die ideologische Kapitulation ins Spiel, die wir heute bei großen Teilen der sogenannten „Linken“ sehen. Statt die Erfahrungen der DDR kritisch anzueignen, wird sich entschuldigt. Für die Existenz eines Staates, der dem Kapital ernsthaft Paroli geboten hat. Das ist nicht einfach nur Feigheit. Das ist Klassenstandpunkt. Denn wer sich heute bei der Bourgeoisie dafür anbiedert, dass es die DDR „leider“ gegeben hat, der hat längst akzeptiert, dass die Spielregeln vom Kapital geschrieben werden. Da wird dann lieber über „Dialog“ geredet als über Macht. Lieber über Koalitionen als über Klassenkampf. Das Ergebnis kennen wir: Sozialabbau, Privatisierung, Prekarisierung. Genau das, was nach 1990 in Ostdeutschland durchgezogen wurde – eine ökonomische Schocktherapie im Interesse des westdeutschen Kapitals. Und da soll uns jemand erzählen, die DDR sei „zu Recht untergegangen“? Nein. Die DDR ist nicht einfach „gescheitert“. Sie ist gefallen – in einem globalen Kräfteverhältnis, das sich zugunsten des Imperialismus verschoben hatte. Wer das ausblendet, betreibt keine Analyse, sondern Geschichtsklitterung. Die eigentliche Gretchenfrage bleibt also bestehen: Stehst du auf der Seite derer, die den Kapitalismus als alternativlos hinnehmen? Oder auf der Seite derer, die – mit allen Widersprüchen – versucht haben, ihn zu überwinden? Wir müssen die DDR weder vergolden noch verteufeln. Aber wir müssen sie begreifen: als größten praktischen Versuch der deutschen Arbeiterbewegung, die Machtfrage zu stellen und zumindest teilweise zu beantworten. Und ja, das kann man ruhig klar sagen: Die DDR war die größte Errungenschaft, die die revolutionäre Arbeiterbewegung in Deutschland bisher hervorgebracht hat. Alles andere ist Ausweichen. Oder schlimmer: Anpassung.