Abwicklung DDR:Folge 5
Vom Opfer zum Karrieresprungbrett – Wie DDR-Vergangenheit zur PR-Maschine wurde „In der DDR war ich nie Mitglied der Partei – aber heute
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Vom Opfer zum Karrieresprungbrett – Wie DDR-Vergangenheit zur PR-Maschine wurde
„In der DDR war ich nie Mitglied der Partei – aber heute profitiere ich davon, dass ich es gewesen wäre.“
— Karrierebiografie westdeutsch gedacht
Wie überlebt man den Systemwechsel?
Indem man sich nützlich macht. Und sich neu erfindet. In der BRD wurde die Erzählung vom „Opfer der DDR“ zum Zugangsticket: Wer sich distanzierte, wurde belohnt. Wer loyal blieb, wurde aussortiert. Und wer die passende Geschichte mitbrachte – vom Regime, von der Stasi, von der Unterdrückung –, konnte ganz nach oben.
Karriere durch Konformität
Beispiel Angela Merkel: In der DDR politisch unauffällig, naturwissenschaftlich ambitioniert, mit Studienjahr in der Sowjetunion – nach 1990 wandelte sich das Bild. Plötzlich war sie „Pfarrerstochter mit DDR-Kritik“, „moralisch unbelastet“, „integriert, aber distanziert“. Die Rolle der stillen Dissidentin wurde ihr angedichtet – weil sie funktional war.
Und Merkel war kein Einzelfall. Dutzende ehemalige Funktionäre, Wissenschaftler oder Kulturschaffende passten sich an – oft auf Kosten ihrer Vergangenheit, mit bereitwilliger Selbstverleugnung. Wer nicht laut war, musste wenigstens bekennen.
Die DDR als Karrierekick
Das System funktionierte simpel: • Sag, wie schlimm alles war. • Erfinde die Repression, wenn nötig. • Betone deine Sehnsucht nach Freiheit. • Gewinne Preise, Posten, Plattformen.
Wer nicht an diesem Spiel teilnahm, blieb außen vor. Wer es hinterfragte, galt als verdächtig. Die Folge: Eine mediale Monokultur der „Entkommenen“, während Millionen, die schlicht gelebt, geliebt und gearbeitet hatten, zum Schweigen gebracht wurden.
Der psychologische Preis
Diese Rollenzuweisung – du bist nur dann anerkannt, wenn du dich als Opfer darstellst – führte zu einer tiefen Spaltung. Viele Ostdeutsche wurden so doppelt entrechtet: erst ökonomisch, dann biografisch. Ihre Erfahrungen zählten nur, wenn sie ins westliche Drehbuch passten.
Quellen & Belege:
•Daniela Dahn: Wehe dem Sieger, Rowohlt
•Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel – Die Revolution von 1989 in
der DDR
•MDR-Interviews mit ehemaligen DDR-Lehrern, Ärzt:innen,
Verwaltungsbeamten